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Markus Hannes Winter, Geschäftsführer Oroox

Oroox: Zwischen Versuch und Scheitern

27. Oktober 2016 | 14:47 Autor: Dorothea Wurmbrand Stuppach Österreich, Liechtenstein

Triesen (FL) Software-Schmiede «Wer innovativ sein will, muss auch scheitern», ist die Maxime von Unternehmer Markus Hannes Winter. Zwischen «trial and error» entstehen dann erfolgreiche Unternehmen wie Oroox. Das Triesner Software-Unternehmen entwickelt webbasiertes CAD.

Mit seiner Software-Schmiede hat Markus Hannes Winter zwar nicht ins Blaue geschossen. Einen Business-Plan hatte er aber nicht. Selbst der schönste Business-Plan garantiere keinen Erfolg. Fast 2000 Pläne landeten früher im Jahr auf seinen Schreibtisch. Als Investor hat er jeden einzelnen  gelesen. «Aber nur eine Handvoll sind geflogen», sagt Winter. Nicht jedes Projekt, in das er investiert hat, war am Ende erfolgreich. In Europa sei diese Kultur zwar nicht weit verbreitet, doch «für Innovation muss man auch scheitern», ist Winter überzeugt. Mit dem spezialisierten Software-Unternehmen in Triesen erspäht er Bedürfnisse am Markt. Und er lässt sich vom Scheitern nicht beirren. «Ich bin öfter gescheitert, als dass ich erfolgreich war». Die Tiefen des Unternehmertums sind für ihn der Nährboden für neue Ideen. «Nicht alles lässt sich budgetieren», stellt Winter zudem klar. So reicht für seine neuen Projekte und Start-ups ein grober Marketing-Plan für die nächsten sechs Monate und entsprechendes Potenzial, alles andere sei für die heutige Zeit zu langfristig gedacht – gerade für ein IT-Unternehmen. Mit Oroox hat er dennoch grosse Pläne: 40 Entwickler arbeiten daran, für Unternehmen eine massgeschneiderte und individuelle Software zu entwickeln – wie beispielsweise den 3DSchokoladen-Designer.

Direkt online designen
Der Schokolade-Designer ist eine Software aus der WebCAD-Produktlinie von Oroox. CAD steht für «computer-aided design» und WebCAD für Browser basiertes Arbeiten. Ursprünglich war es nur ein Hilfsmittel beim technischen Zeichnen. Heute sind professionelle CAD-Anwendungen komplexe Expertensysteme für den Entwurf und die Konstruktion technischer Lösungen. Mit dem Schoko-Designer will Winter Schokoladenhersteller als Kunden gewinnen. Ins Auge gefasst hat er bislang vor allem den belgischen Markt. Das Programm wird in die Webseite des Herstellers integriert. Kunden können dann online Logo, Form, Farbe und Design selbst festlegen. Hierbei ist die komplette Produktlogik in der Software hinterlegt. Sobald das Produkt gestaltet ist, wird der Preis kalkuliert und das Schoko-Design direkt in das Shop- und Produktionssystem des Herstellers geleitet. So werden zum Beispiel die Schokoladeformen in 3D modelliert und visualisiert.

«Der Hersteller benötigt daher kein Backoffice im Design mehr, auch die Machbarkeitsabnahme fällt durch den Einsatz des Chocolate-Designer 4.0. weg», erklärt Winter. Der Schoko-Designer ist aber längst nicht das einzige Programm, das Oroox bislang entwickelt hat. Winter hat bereits WebCAD-Cloud-Lösungen für Befestigungs-Hersteller, Bauindustrie, Werbemittelhersteller oder die Lebensmittelindustrie entwickelt. Und er sprüht noch vor weiteren Ideen: Software für die Verpackungs-, die Schuh- oder Zahnindustrie sind bereits im Pilotstadium.

Das Programm wird Kunden mit dem Ziel zur Verfügung gestellt, dass sie ihre Vor-Produktionskosten senken und ihren Absatz steigern können. Der USP: Eine einzigartige Lösung für den Hersteller, welcher einen Mehrwert für seine Kunden bietet und dadurch die Kundenbindung steigert.

Marktvorsprung als Vorteil
Markus Hannes Winter sieht sich in seinem Bereich zwar als Technologieführer. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Nimmt Oroox Chancen wahr, von denen andere gar nicht wussten, dass sie existierten? Wie geht es weiter in diesem Markt und können grössere Konkurrenten sehr schnell ähnliches auf den Markt werfen? «Die Technologie ist sicher reproduzierbar, aber wir haben einen nachhaltigen Marktvorsprung, weil wir seit fünf bis sechs Jahren an der Technologie forschen», betont Winter. Ein Vorgänger war bereits in diesem Bereich tätig. «Er wurde aber für 340 Millionen verkauft und die Technologie wurde so vom Markt genommen», erzählt Winter weiter. Auf jeden Fall setzt der Selfmade-Man darauf, dass individualisierte Software gefragt ist. Massarbeit ist in der Softwarebranche tatsächlich von Bedeutung – vor allem in der Schweiz. Doch während die Unternehmen im Jahr 2015 knapp 31 Prozent ihrer Budgets für Individualsoftware ausgaben, wird sich dieser Anteil laut Prognose von «MSM Research» bis zum Jahr 2017 leicht auf 24,1 Prozent reduzieren. Für Firmen in der Schweiz und Liechtenstein besteht aber dennoch genau darin die grosse Chance: Dass sie in engem Kontakt mit den Abnehmern arbeiten und viel Massarbeit übernehmen ohne daraus einen Mehraufwand zu haben. Über dieses Onlineservice bekommen auch diese Firmen Zugang zu grossen internationalen Märkten.

So ähnlich ist es auch bei einer Software von Oroox, die sie für den Liechtensteiner Anlagefondsverband (LAFV) entwickelt haben: Ein Business-Tool, das genau nach den Bedürfnissen des Vereins entwickelt wurde.

Nicht alles kommerzialisieren
Neben WebCAD-Software entwickelt Oroox auch Apps. Eine davon heisst «upway». Die App, welche das erste derartige Projekt aus Liechtenstein ist, wird im Dezember gelauncht und bietet Hilfe für Depressionskranke in Form einer Selbsthilfegruppe, aber auch für fachliche Beratung, Online-Therapie und schnelle Hilfe im Notfall. Winter zufolge verursacht die Krankheit jährlich über 10 Milliarden Franken für das Schweizer Gesundheitssystem. 15 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression.

Kranken soll in ihrer akuten Depressionsphase durch die App geholfen werden, um sie wieder schneller in das Arbeitsleben und ihr soziales Leben integrieren zu können. Die Datensicherheit ist dabei ein zentraler Faktor. «Die App ist hochsicher, was wir unter anderem der engen Kooperation mit der Telecom Liechtenstein verdanken», betont Markus Winter. Das Projekt ist dabei nicht darauf ausgelegt, Geld damit zu verdienen. «Es kann nicht immer eine Kommerzialisierung dahinter stehen». Innovation ist der Motor, der Markus Winter antreibt. Und dafür geht er auch Risiken ein. Die Herausforderung suchen und sich immer wieder neu erfinden, das sei sein täglich Brot. «Als Liechtenstein eine Brücke in die Schweiz baute, hat auch niemand überlegt, was das Business-Modell dahinter ist», betont Winter. Viele Ideen der letzten Jahre sind auf diese Weise gross geworden – aus der Garage auf den Weltmarkt.

Mit 17 Jahren ist Markus Winter bereits Unternehmer geworden, mit 15 hat er angefangen Software zu entwickeln. Heute gleist der Österreicher parallel gleich mehrere Projekte auf. Er hat bereits viele Unternehmen gegründet, aufgebaut und dann wieder verkauft. Und zwischen Versuch und Scheitern wartet dann für einige Projekte der ganz grosse Erfolg.


Dieser Artikel erschien bereits in ’Wirtschaft regional’ in Liechtenstein!

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  • uploads/pics/Glasfacade-Designer_High_Resolution.jpg

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