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LGB Lehrgerüstbau aus Vorarlberg an Bau einer der längsten Bogenbrücken Europas beteiligt

12. Mai 2015 | 09:38 Autor: Conny Grambs / WZ Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Vorarlberg

Meiningen (A) Seit März 2013 ist im Schweizer Kanton St. Gallen eine spektakuläre Baustelle zu finden: In 200 Metern Höhe entsteht über dem Taminatal als Verbindung zwischen Pfäfers und Valens die größte Bogenbrücke der Schweiz. Erst vor wenigen Wochen wurde das Herzstück der 417 Meter langen Brücke fertiggestellt: Der Betonbogen mit einer Spannweite von 265 Metern wurde erfolgreich geschlossen.

Die für den Bau benötigten Lehrgerüste und Pylone werden von der Vorarlberger Firma LGB Lehrgerüstbau GmbH hergestellt. Im Gespräch mit wirtschaftszeit.at berichtet DI Florian Wilhelm vom Bau der Taminabrücke und deren Einzigartigkeit.

Es ist immer wieder zu lesen, dass die Taminabrücke sogar für erfahrene Brückenbauer etwas ganz besonderes sei. Worin besteht Ihrer Meinung nach die Besonderheit dieser Brücke?
Das ist einfach die größte Bogenbrücke der Schweiz. Sie ist von der Herstellung her sehr aufwändig, weil die ganzen Ständer zur Abstützung des Überbaus radial angeordnet sind. Beim Bogen handelt es sich um einen sehr schlanken Querschnitt mit sehr hohen Bewehrungsgraden. Sowohl die Höhe als auch die Breite sind veränderlich, was für uns in der Herstellung der Freivorbaugerüste eine große Herausforderung war.

Spatenstich war am 28. März 2013. Um die Schongebiete in der Schlucht nicht zu stören, wurde dort auf Baugerüste verzichtet. Wie wurde mit dem Bau der beiden Bogenhälften begonnen?
Gerüste in der Schlucht waren eigentlich hauptsächlich von daher unmöglich, weil es einfach etwa 200 Meter hoch ist. Der Bogen wurde gleichzeitig von beiden Seiten des Tals aus gebaut und zwar immer in Fünf-Meter-Abschnitten. Wir haben das Gerüst am Kämpfer bzw. am fertiggestellten Bogen verankert, dann fünf Meter hergestellt und anschließend das Gerüst selbstfahrend hydraulisch in die nächste Betonierstellung verschoben, wo dann wieder die nächsten fünf Meter gebaut wurden. Damit das Ganze natürlich stabil ist, müssen die Bogenhälften jeweils mit Kabeln zurückgehängt werden. Diese führen zu den beiden Pylonen (Höhe ca.110m bzw. 75m), von denen aus sie weiter ins Erdreich verlaufen, wo die Horizontallasten verankert werden. Die Pylone müssen dadurch nur Vertikalkräfte übertragen können (Maximum ca. 7000to).

Am 28. März 2015, genau zwei Jahre nach dem Spatenstich, wurde der Bogen geschlossen. Wie können zwei Bogenhälften von einer solchen Dimension so justiert werden, dass sie am Ende genau zusammenpassen?
Das hat glücklicherweise sehr, sehr gut funktioniert. Der Brückenplaner muss immer die Soll-Lage des jeweiligen Fünf-Meter-Segmentes vorgeben. Der Vermesser auf der Baustelle muss dann kontrollieren, wie die Soll-Werte zu den Ist-Werten passen. Fehler liegen so immer nur im sehr kleinen Bereich, sprich unter einem Zentimeter, und sie lassen sich für das nächste Element gleich wieder korrigieren. Wenn man die Soll- und die Ist-Zustände also immer gewissenhaft vergleicht, kann sich nie ein großer Fehler ergeben. Zum Schluss wurde dann geschaut, wie die beiden Bogenhälften zusammenpassen. Es wurde alles nochmal vermessen und es war praktisch keine Justierung notwendig. Die Bogenhälfte Pfäfers wurde etwa zwei Zentimeter abgelassen und dann hat es bereits gepasst.

Wie haben Sie persönlich den Bogenschluss erlebt?
Es gab eine offizielle kleine Feier in der Schweiz und beim Betonieren war ich dabei. Das war schon sehr emotional, weil das Projekt einfach eine riesige Herausforderung darstellt. Das war ein wichtiger Meilenstein, der da geschafft wurde, und ein Tag, der mit großer Erleichterung verbunden war.

Sie arbeiten für die Firma LGB, die in Zusammenarbeit mit der ARGE Strabag, Erni und Meisterbau die Taminabrücke baut. Planer der Brücke ist das Ingenieurbüro LAP/Stuttgart. Was ist genau die Aufgabe der Firma LGB in diesem Projekt?
Zuerst haben wir die Lehrgerüste für die Herstellung der Vorlandtragwerke gebaut. Außerdem haben wir die Freivorbaugerüste entwickelt für die Bogenherstellung und auch die beiden Pylone. Wir machen dabei sowohl die Planung als auch die Montage der entsprechenden Bauhilfsmaßnahmen selbst.

Wie viele Tonnagen an Lehrgerüstmaterial befinden sich im Einsatz?
Es handelt sich um etwa 2000 Tonnen Lehrgerüstmaterial, das aber nicht alles auf einmal vorgehalten wird. Das Material, mit dem wir die Pylone bauen, das wird dann wieder für die Herstellung des Tragwerks über dem Bogen verwendet. Wir können das also modular kombinieren. Das ist wie LEGO für Große.

Welche Anforderungen waren beim Bau der Brücke zu bewältigen?
Die Temperatur war immer ein großes Thema, vor allem bezüglich der Vermessung der Pylone. Die Pylonstellungen in den jeweiligen Bauzuständen waren ja sehr wichtig, denn der Stahl reagiert sehr empfindlich auf die Sonneneinstrahlung. Wenn jetzt die Sonne von einer Seite auf den Pylon scheint und von der anderen Seite nicht, dann verbiegt sich das bei dieser Höhe sehr deutlich. Dann stimmt auf einmal die theoretische Soll-Form nicht mehr. Weil der Wind definitiv auch ein Problem darstellt, mussten wir für die Bemessung sehr hohe Windlasten ansetzen. Aber auch praktisch ist es kritisch: Wir mussten nicht selten gegen den Föhn ankämpfen und die Bauarbeiten aufgrund von zu hohen Windgeschwindigkeiten an dem einen oder anderen Tag sogar niederlegen.

Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten und wie geht es jetzt weiter, bis 2017 dann die ersten Fahrzeuge die Taminabrücke überqueren können?
Die Freivorbaugerüste wurden beide bereits demontiert und es werden jetzt die Kabel der Pylone entspannt, was die Voraussetzung für den Rückbau der Pylone darstellt. Parallel dazu wird nun mit dem Lehrgerüst für die Herstellung des Tragwerkes über dem Bogen begonnen. Das Tragwerk wird über dem Bogen Stück für Stück vom Scheitel aus beginnend zu den Rändern hin hergestellt.

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