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(v.l.n.r.): Michael von Prollius, Johan Norberg, Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, Peter Bernholz, Prinz Michael von und zu Liechtenstein, John Taylor, Peter Fischer (auf dem Bild fehlen: Tillmann Lauk, Thorsten Polleit, Henrique Schneider)

12. Internationalen Gottfried von Haberler Konferenz Liechtenstein: Die Manie der Geldpolitik und ihre Folgen

25. Mai 2016 | 10:31 Autor: ECAEF Österreich, Liechtenstein

Vaduz (FL) Internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien sind zur 12. Internationalen Gottfried von Haberler Konferenz in Vaduz gekommen. Mit dem Thema «Über Zentralbanken, Fiskalpolitik und der geprellte Bürger» beleuchtete der die Konferenz ausrichtende liberale Think Tank European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF), Vaduz, die geldpolitischen Massnahmen und ihre Folgen.

„Die Aussichten auf sozialen Aufstieg oder den Erhalt des Lebensstandards in der Pension steigen insbesondere dann, wenn man Vermögen ansparen kann. Vermögen ansparen bedeutet aber, auf Konsum zu verzichten. Leider geht die Tendenz in die Richtung, dass Bürger durch die Null- und Negativzinspolitik zum Konsum gezwungen werden. Sparen lohnt sich immer weniger und je mehr Vermögen man hat, desto mehr wird man mit der Zinspolitik bestraft. Paradoxerweise wird gleichzeitig versucht, über geldpolitischen Massnahmen
Inflation zu erzwingen und damit die Kaufkraft des Geldes für den Konsum zu schmälern. Bezieht man dann noch das Bargeldverbot mit ein, dann wird der Bürger in absehbarer Zeit zum steuerbaren Objekt.“ eröffnete Prinz Michael von und zu Liechtenstein als Präsident des ECAEF Stiftungsrates die 12. Internationale Gottfried von Haberler Konferenz. Die experimentelle Geldpolitik der FED und EZB trage in Kombination mit der Schuldenpolitik wesentlich dazu bei, dass die individuelle Freiheit eines jeden schrittweise eingeschränkt werde. Die zunehmenden Kontrollen durch Gesetze, Regulierungen, etc. würden die Abhängigkeit vom staatlichen System fördern. Die Selbstbestimmung, ein wesentlicher Pfeiler für persönliche Entwicklungschancen, werde immer mehr durch eine vermeintliche soziale Gleichheit ersetzt. „Auch wenn dies einige nicht hören wollen, der Weg weist in die Planwirtschaft. Ein System, dessen belastende Konsequenzen Bürger in den kommunistischen Ländern vor noch gar nicht allzu langer Zeit bereits einmal erleben mussten.“ verdeutlichte Prinz Michael und betonte, dass dieses System zum Scheitern verurteilt war.

In der Folge beurteilte der US-Volkswirtschaftsprofessor John B. Taylor die aktuelle Situation der Zentralbanken: die FED und EZB würden experimentieren und taktieren. Das numerische Inflationsziel (die berühmten 2%), das sich die Zentralbanken setzen würden, reiche aber nicht als alleinige Grundlage für geldpolitische Entscheide aus. Das aktuelle Verhalten stelle eine grosse Gefahr für das Wirtschaftssystem dar und wiederspreche dem angestrebten Ziel „Stabilisierung der Wirtschaft“. Taylor, der in einem gemeinsamen Projekt mit Studenten die anerkannte Taylor Rule entwickelte, gelangte zu dem Schluss, dass die Zentralbanken ihre geldpolitischen Massnahmen wieder auf fundierte, historisch begründete Regeln abstützen und mit einem gesunden Menschenverstand paaren müssen. Sie dürften nicht weitere Instrumente testen, deren Auswirkungen für niemanden abschätzbar seien.

Professor Peter Bernholz hielt fest: „...dass wir uns währungspolitisch in einer historisch ungewöhnlichen und kritischen Situation befinden.“ Negativzinsen beispielsweise wären bis vor einigen Jahren noch nicht einmal diskutabel gewesen. Die Inflation werde kommen, darauf könne man sich einstellen, so Bernholz weiter. Eine expansive Zinserhöhung sei eher unwahrscheinlich, schlicht deshalb weil sich damit auch staatliche Defizite massiv erhöhen würden. Mit Rückblick auf den britischen Ökonom und Herausgeber des The Economist Sir Walter Bagehot führte Bernholz aus, dass eine bessere Zentralbankenpolitik jene wäre, in der Kredite zum Einsatz gelangt wären, die wirklich notwendig waren. Jedoch zu Strafzinsen, die auf der Basis einer Bewertung der Aktiva von Banken zu normalen Zeiten festgesetzt worden wären. Die Zeit sei reif, dass das FED die Zinsen schrittweise erhöhe. Die Angst vor einer Deflation hält Bernholz schlicht für übertrieben.

Tillmann Lauk, Autor des Buches The Triple Crisis of Western Democracy, veranschaulichte, dass für die Rettung des globalen Bankensystems 26‘000 Milliarden USD geschaffen wurden und mit rund 250 Milliarden USD in Griechenland interveniert worden ist. EU Mitgliedsländer hätten Griechenland immense Summen an Geld geliehen, obschon nur rund 5% davon bei der Bevölkerung ankamen. Der Rest sei reiner Schuldendienst gewesen. Überschuldung oder Null- und Negativzinspolitik würden das Recht eines jeden auf wirtschaftliche Selbstbestimmung (beispielsweise auf das Ansparen von Altersvorsorgekapital) vehement verletzen. Lauk schliesst einen Systemzusammenbruch nicht aus, wobei nach seiner Ansicht ein Finanz- und Politcrash heilsam sein könnte.

Der Chefökonom der Degussa Goldhandel Thorsten Polleit verglich die Ansätze der Keynesianer und Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Ein grosses Problem sieht er im keynesianischen Verständnis, wonach der Staat eingreifen müsse. Die grossen Krisen des 20. Jahrhunderts hätten eindrücklich belegt, wohin staatliche Eingriffe führen. Henrique Schneider, Chefökonom des Schweizerischen Gewerbeverbandes, zitierte Benjamin Franklin: „It is the first responsibility of every citizen to question authority.“ und verdeutlichte, dass die vielgepriesene Unabhängigkeit von Zentralbanken nur bedingt realistisch sei. Diese Unabhängigkeit könne sich allerhöchstens auf Parteipolitik beziehen. Ansonsten seien Zentralbanken ein Teil des Rechts- und Wirtschaftssystems und dementsprechend in ihren Entscheiden abhängig vom Verhalten der übrigen Wirtschaftsakteure. Dementsprechend dürfe man sich vom Begriff nicht fehlleiten lassen, denn unabhängig seien Zentralbanken nur im Entscheid, welches Instrument sie zur Erreichung ihrer Ziele verwenden wollen. Im Weiteren erklärte Schneider auf anschauliche Weise wie durch den Erlass von Rechten (beispielsweise das Recht auf ein Grundeinkommen) die persönliche Freiheit des einzelnen Bürgers eingeschränkt und gleichzeitig der Leistungsauftrag an den Staat erhöht werde. Und damit der staatliche Handlungsspielraum. Dies sei eine nicht ungefährliche Missinterpretation des ursprünglich klassisch-liberalen Ansatzes status negativus, bei dem den bürgerlichen (Grund-)Rechten eigentlich eine Abwehr- und damit Schutzfunktion zugesprochen worden sei.

Den Abschluss machte der schwedische Autor Johan Norberg unter dem Titel „The corrupting effect of easy money!”. Er führte ins Bewusstsein, dass die Politik des billigen Geldes mit Schuld war an der Finanzkrise 2007/2008 und ihren Folgen. Und dass paradoxerweise aber genau diese Politik nun aber verwendet werde, um irgendwie aus der Krise herauszukommen. Das grosse Problem an billigem Geld sei, dass es Marktakteure zu falschen Entscheiden verleite und unheilvolle Vermögensblasen (wie zuletzt die USImmobilienblase) fördere.

Im Fazit lässt sich die aktuelle Geldpolitik mitunter mit einem manisch-depressiven System vergleichen. Im Moment bewegt sie sich in einer manischen Phase nach dem Prinzip: „Alles ist möglich!“ Den logischerweise folgenden Abschwung in die depressive Phase wollen die Zentralbanken und die Politik mit allen Mitteln verhindern. Wobei gerade die depressive Phase die Chance für eine überlegte (gesunde) Neuausrichtung bieten könnte.

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